über malerei und zeichnung

standortbestimmung oder so ähnlich.
oder der versuch abseits vom pinsel zu denken.

fast möchte man meinen die malerei hat sich selbst erledigt.
bei aller modernität und allem schnellem wirken und machen.
video / environment / selfie-art und 3d-gestalten.

anachronismus 2016.
eine leinwand aufziehen und grundierungen legen.
eine idee in eine form bringen und sie ins leben entlassen.
durch betrachtung ihr sinn geben.
auch wenn insgesamt die betrachtung abnimmt.

dennoch.
sie lebt
allen unkenrufen zum trotz und wurde schon hundertmal totgesagt.

autor ohne buch.
romanschreiber ohne buchstaben.
formenhalter der ahnung.
augenbäcker der hingabe an das oft genannte sinnlose.

und so bleibe ich nach wie vor dabei.
drehe die leinwand ins licht
ziehe spuren mit den farbfinger / und erfinde gedichte fürs auge.
ob es nun sinnlos ist oder der sinn sich farbig zeigt.
ob es anachronistisch ist oder nicht.
ist mir radikal einerlei.

und dennoch gibt es nicht nur das reine malen.
malerei heute ist / und dies ist mir wichtig
auch auseinandersetzung und hinterfragen.
betrachten und wahrnehmen / erforschen und laboratorische.

das vergangene bestimmt bei jedem maler auch das heutige.
für viele meiner malerfreunde mag dies ja nie eine auseinandersetzung sein.
für viele ist es vielleicht einfach ganz klar.
sie malen landschaft
portrait / innenraum oder arbeiten sich an verschiedenen sujets ab und heran.
für mich war dies nie einfach und nie klar.
malerei ja.
doch immer auch die grosse frage:
was ist ein bild was macht es aus?
wie sehe ich es?
was kann malerei heute und wie setze ich sie ein?

hinzu kommt auch die auseinandersetzung mit der zeichnung und die verbindung zur literatur.
ist ein bild nur ein abbild?
oder geht es viel weiter.

bildträger
farbe
form
drei elemente die auch dazu führen das bild als raumkörper zu sehen.
als sculptur mit farbe dran.
als wandobjekt.
als raum selbst.
bis heute nicht in beton gegossene ansichten.

durch den zwang meines vaters mich mit realitäten und deren abbildung darzustellen sehr früh die abkehr und einen gewissen widerwillen mich nur mit dem sichtbaren zu beschäftigen.
die photographie mit ihrer spiegelung des sichtbaren trug einen teil hierzu bei.

malerei in meinem denken war schon immer die auseinandersetzung mit
linie
fläche
form
farbe
raum
kreis
buchstabe
schrift
gedicht
und auch die hinterfragung der malerei selbst.
die neugier hinter den dingen.
ein erforschen und entdecken.

wesentlichen anteil daran nehmen formcretoere wie
picasso
pollock
motherwell
reinhard
beckmann
stöhrer
matta
miro
morris louis
klee
max ernst
monet
ryman
charlton
a. martin
joan mitchell
c. twombly
beuys
arnulf rainer
heckel
dix
hesse
darboven
elisabeth vary
u. a.

das gestern bestimmt auch das morgen.
sozialisations-erkenntnisse des gestern in neuen bildern für morgen.
http://www.walter-stoehrer-stiftung.de/home

shinkichi tajiri

elementare malerei

the artist approaches the canvas to bring forth the unknown, which passes through him/ her into being. (marcia hafif)

radical painting

„von allen gemälden bietet das radikale gemälde die wenigste information und die meiste sinnliche erfahrung“, schrieb günter umberg bereits 1986 in seiner schrift „outside the cartouche“. „wenig an ihm kann sinnlich wiedergegeben werden; es kann nur schwerlich erklärt werden, da die begegnung mit ihm nicht der kommunikationsform entspricht, die wir sprache nennen.“

bernard frize und günter umberg im dialog.

so bleibt für mich malerei ein nach wie vor poetisches medium um abseits der wortlosen bereiche formen zu schaffen die frei sind von sinn und sinnlosem.
die für sich selbst stehen und die möglichkeit schaffen im anhalten der schritte
dem auge einen anderen raum zu bieten.
wie der leser sich mit dem buch zurücklehnt und in anderen welten sich badet
so bietet das bild dem nährenden auge zuweilen einen zauber / abseits von norm und regel.
wenn wir uns gestatten darauf einzugehen.

so zeigt sich für mich malerei
als medium zwischen kino und theater
zwischen der inszenierung und der ahnung
zwischen den romanen die wir gelesen haben und denen die wir noch gar nicht kennen.
zwischen dichtung und der verdichtung.
zwischen dem offenen einkaufszettel und dem enigmatischen
was wir wohl nie begreifen werden.

zwischen den elementen unserer zuflucht und dem zischenden espressokocher.
zwischen dem schnellen zähneputzen und der hingabe dem auge den raum zu geben
um dem scheinbar anachronistischen medium
die achtung zu geben die es braucht.

eine wand / und den respekt / und den sinnen / dem auge zur öffnung für eine eigene welt.

gedichte in malerei / eine poetische kraft
so lebendig wie sie immer sein möge.

als dioptrienjustierung
im oft allzu schnellen to go.
im dennoch und trotzdem.